Krisen

Die Politische Lage von 1974 bis 1988

Bildmontage (HSK 13)
Bildmontage (HSK 13)

1974

6. Mai:

Bundeskanzler Brandt tritt von seinem Amt zurück, nachdem bekannt geworden ist, dass sein Referent Günter Guillaume Spion für die Staatssicherheit der DDR war

 

16. Mai:

Bundesfinanz- und Wirtschaftsminister Helmut Schmidt wird Bundeskanzler und bildet mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher die neue Regierung

 

18. Mai: Indien führt seinen ersten Atomwaffentest durch

 

4. September:

Die Vereinigten Staaten von Amerika nehmen diplomatische Beziehungen zur DDR auf

 

1975

1. Januar: Inkrafttreten des Gesetzes über die Volljährigkeit ab dem 18. Lebensjahr

 

30. April:

Die südvietnamesische Regierung kapituliert und nordvietnamesische Truppen rücken in Saigon ein. Vom Dach der US-Botschaft werden mit Hubschraubern die letzten Amerikaner und südvietnamesischen Mitarbeiter ausgeflogen. Die USA nehemn 140.000 Flüchtlinge aus Südvietnam auf

 

1. August:

Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte von Helsinki. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich darin, die Menschen- und Grundrechte der Völker zu achten und billigten den Völkern „Freiheit und politische Unabhängigkeit“, ebenso wie ein Selbstbestimmungsrecht zu

 

9. Oktober:

Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der BRD und Polen, das gegen hohe Kredite und Rentenzahlungen über 100.000 Deutschstämmigen die Ausreise gestattet

 

18. Dezember: die Ständigen Vertreter der DDR und der BRD werden ausgetauscht

 

1976

25. Juni:

Unruhen in mehreren polnischen Städten wegen Versorgungsschwierigkeiten und stark erhöhten Lebensmittelpreisen. Ein ‚Komitee für die Verteidigung der Arbeiter‘ wird gebildet, das sich für die bei den Unruhen Verhafteten einsetzt. Nach seiner Verfolgung wird es als ‚Komitee für soziale Selbstverteidigung‘ fortgeführt, das eine Dokumentation über die Zensur in Polen veröffentlicht

 

2. Juni:

Wiedervereinigung von Vietnam als Sozialistische Republik, finanziell unterstützt von der UdSSR. Die Stadtbewohner Südvietnams werden aufs Land umgesiedelt, um am Wiederaufbau der Infrastruktur zu arbeiten

 

8. September:

Mao Tse-tung stirbt mit 82 Jahren. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei beschließt einen Zehn-Jahres-Plan zur wirtschaftlichen Entwicklung und Öffnung des Landes (Wirtschaftssonderzonen)

 

16. November:

Der Liedermacher Wolf Biermann wird nach einem Auftritt in Köln aus der DDR ausgebürgert

 

1977

5. Januar:

Die ‚Charta 77‘ fordert die in der KSZE-Schlussakte verbrieften Menschen -und Bürgerrechte für die Bevölkerung in der Tschoslowakei (CSSR) ein

 

August:

Der SED-Funktionär Rudolf Bahro veröffentlicht im Spiegel eine grundsätzliche Kritik am System in der DDR. Dann erscheint der Text als Buch in der BRD (‚Die Alternative‘). Bahro wird verhaftet und Mitte 1978 zu acht Jahren Gefängnis verurteilt

 

23. September:

Abkommen zwischen den USA und der UdSSR über die Verlängerung des SALT I-Vertrages

 

1978

7./8. Januar:

Beginn der monatelangen Demonstrationen gegen die Diktatur des Schah im Iran

 

10. Januar:

Das Büro des Spiegel in Ost-Berlin wird geschlossen – und blieb es sieben Jahre. Das Wochenmagazin hatte zuvor das ‚Manifest‘ eine anonymen DDR-Oppositionsgruppe um den Ökonomen Hermann von Berg veröffentlicht

 

17. Februar: Antiterrorgesetz des Bundestages

 

8. August:

Der Schah des Iran verspricht politische Freiheiten und freie Wahlen. Als Reaktion brechen schwerste Unruhen aus. Am 13. August wird in mehreren Städten das Kriegsrecht ausgerufen, gleichzeitig die Gründung von politischen Parteien zugelassen

 

16. Oktober:

Der Erzbischof von Krakau Karol Woytila wird zum Papst Johannes Paul II. gewählt

 

8. November:

Ayatollah Khomenei gründet in seinem Priser Exil die Iranisch-Islamische Nationalbewegung

 

3. Dezember:

Die niedersächsische Landesregierung hatte beschlossen, tausend ‚boat people‘ – aus Vietnam über das Meer geflohene Familien – aufzunehmen. Die ersten 163 Personen landen nun mit einer Bundeswehr-Maschine auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen. Bis in die 1980er Jahre nahm in Anschluss daran die BRD Vietnamesen, etwa 38.000, auf

 

5. Dezember:

Die neue, nach einem Staatsstreich im April an die Macht gekommene Regierung der blockfreien Demokratischen Republik Afghanistan schließt mit der UdSSR einen 20-Jahres-Vertrag über die Freundschaft und Zusammenarbeit

 

1979

16. Januar: Schah Reza Pahlewi verlässt den Iran

1. Februar: Ayatollah Khomenei kehrt aus seinem Exil in Paris in den Iran zurück

21. März: Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel

 

1. April:

Nach gewonnener Volksabstimmung (99%) ruft Ayatollah Khomenei die Islamische Republik Iran aus

 

2. bis 10. Juni: Papst Johannes Paul II. besucht Polen

18. Juni: Unterzeichnung des SALT II-Abkommens zur Begrenzung der nuklearen Rüstung

 

November:

Zehn Mitglieder der Bürgerrechtsbewegung ‚Charta 77‘ erhalten hohe Freiheitsstrafen. Prominentes Opfer war der Initiator und bekannte Schriftsteller Vaclav Havel

 

4. November:

Besetzung der Botschaft der USA in Teheran und Geiselnahme des Botschaftspersonals. Das studentische ‚Revokutionskomitee‘ verlangt die Auslieferung des Schah

 

12. Dezember:

Doppelbeschluss der NATO. Nachdem die UdSSR in den Staaten des Warschauer Paktes begonnen hatte, immer mehr nuklear bestückte Mittelstreckenraketen vom Typ SS-20 zu stationieren, vereinbaren die Staaten die Aufstellung von weit über 500 nuklear bestückten Raketen-Gefechtsköpfen in Westeuropa. Sie bieten dem Warschauer Pakt zugleich Verhandlungen über die Rüstungsbegrenzung an

 

27. Dezember:

Truppen der UdSSR rücken nach Erhebungen der Stämme und Teilen der Armee in Afghanistan ein

 

1980

10. Januar:

Nach dem Einmarsch der UdSSR in Afghanistan verhängt US-Präsident Carter ein Embargo über Getreidelieferungen in die Sowjetunion

 

20. Februar:

Präsident Carter sagt die Teilnahme der USA an den Olympischen Spielen in Moskau ab

 

25. April:

Mit einer Geheimoperation von Spezialeinheiten versuchen die USA, die Geiseln aus der US-Botschaft in Teheran zu befreien. Die Aktion scheitert. Die Geiseln werden erst im Januar 1981 freigelassen

 

4. Mai:

Tod des jugoslawischen Staatsoberhauptes Tito. Das Land wird foran von einem Kollegium geleitet. Ab 1981 Unruhen und Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Albaner im Kosovo

 

19. Juli – 3. August:

Olympische Sommerspiele in Moskau. Neben den USA boykottieren 41 Länder die Spiele, darunter die BRD

 

2. August:

Bei einem Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna töten Rechtsradikale 85 Menschen, etwa 200 Personen werden verletzt

 

24. Oktober: Die unabhängige Gewerkschaft ‚Solidarnosc‘ wird in Polen anerkannt

 

1981

13. Mai:

Attentat auf Papst Johannes Paul II. in Rom. Hinter dem Täter, einem türkischen Rechtsextremisten, werden der russische und der bulgarische Geheimdienst vermutet

 

3. Juli: Innerdeutsche Gespräche zur Rüstungskontrolle in Ost-Berlin

8. August: US-Präsident Ronald Reagan ordnet die Herstellung von Neutronenbomben an

 

22. September:

Truppen des Irak marschieren in Khuzistan ein; Beginn des Krieges zwischen Irak und Iran

 

6. Oktober: Der ägyptische Staatspräsident Anwar-as-Sadat wird von Islamisten ermordet

 

30. November:

Die UdSSR und die USA beginnen in Genf ihre Verhandlungen über den Abbau von nuklearen Mittelstreckenraketen

 

11.-13. Dezember:

Innerdeutsche Gespräche zwischen dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker und Bundeskanzler Helmut Schmidt in der DDR

 

12. Dezember:

Der polnische Ministerpräsident Wojciech Jaruzelski ruft den Kriegszustand aus und lässt Mitglieder der Gewerkschaft ‚Solidarnosc‘ verhaften

 

1982

März/April:

Besetzung der Falklandinseln (Malvinas) im Südatlantik durch argentinische Truppen

 

6. Juni:

Einmarsch israelischer Truppen im Süden Libanons, um Stützpunkte der PLO zu zerstören; es folgen Massaker in Flüchtlingslagern der Palästinenser unter israelischer Aufsicht

 

15. Juni: Die argentinischen Truppen auf den Falklandinseln ergeben sich den britischen Truppen

15. Juli: Beginn der Stationierung nuklearer Kurzstreckenraketen in der DDR

30. Juli/20. August: Abkommen zwischen USA und UdSSR über Getreidelieferungen

 

1983

23. März:

US-Präsident Ronald Reagan verkündet den Beginn des Rüstungsprogramms SDI (Entwicklung von Raketenabwehrsystemem im Weltraum)

 

18. April: Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Beirut mit 60 Toten

16.-23. Juni: Zweiter Besuch des Papstes in Polen

21. Juli: Das Kriegsrecht in Polen wird aufgehoben

 

1. Juli:

Die BRD vergibt der DDR einen Milliardenkredit. Im Gegenzug baut die DDR die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze ab, erleichtert Reisen in die DDR (wieder reduzierter Mindesumtauschsatz) und die Ausreise aus der DDR

 

1. September:

Abschuss der südkoreanischen Passagiermaschine KAL 007 durch Abfangjäger der Sowjetunion über deren Territorium (Sachalin), 269 Tote

 

6. Oktober:

Dem Führer der polnischen Gewerkschaft ‚Solidarnosc‘ Lech Walesa wird der Friedensnobelpreis verliehen

 

23. Oktober:

Zwei mit Sprengstoff beladene Lkw werden von Selbstmordattentätern in die Unterkünfte für US-amerikanische und französische Soldaten in Beirut gesteuert, die dort im Auftrag der Vereinten Nationen den libanesischen Bürgerkrieg beenden sollen. 241 US-amerikanische und 58 französische Soldaten sowie sechs Zivilisten sterben

 

25. Oktober: Beginn der US-Invasion auf der Karibikinsel Grenada

 

2.-11. November:

Das NATO-Manöver ‚Able Archer 83‘ versetzt die Geheimdienste der Warschauer Pakt-Staaten in Alarm

 

22. November:

Der Bundestag beschließt die Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen in der BRD

 

1984

7. Februar:

Beginn der Konferenz von 44 Staaten zur Abrüstung in Genf. Ziel ist besonders das Verbot chemischer Waffen

 

28. Juli – 12. August:

Olympische Sommerspiele in Los Angeles. Die UdSSR und 18 weitere sozialistische Länder boykottierten die Spiele, darunter die DDR, nicht aber China und das blockfreie Jugoslawien

 

Die Bundesregierung genehmigt einen Kredit westdeutscher Banken an die DDR in Höhe von knapp einer Milliarde DM

 

1985

20. Januar:

Beginn des Rückzugs der israelischen Truppen aus dem Libanon

 

6. August:

Der Generalsekretär der KPdSU Michail S. Gorbatschow verhängt einseitig ein Moratorium für Atomtests für ein halbes Jahr

 

19.-21. November:

Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow in Genf

 

1986

27. März:

Die BRD unterzeichnet ein Abkommen mit der USA über ihre Beteiligung an der Entwicklung der SDI-Raketenabwehr

 

5. April:

Bombenanschlag auf die von US-Soldaten besuchte Diskothek ‚La Belle‘ in Berlin-Friedenau, 3 Menschen sterben, rund 280 Personen werden verletzt

 

10. April:

Nachdem die USA mehrfach Atomtests durchgeführt hat, kündigt Generalsekretär Gorbatschow sein Atomtest-Moratium

 

15. April:

Nachdem US-Präsident Ronald Reagan Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi als Auftraggeber des Bombenanschlags auf die Diskothek ‚La Belle‘ bezeichnet hatte, bombardieren US-Flugzeuge Ziele in Tripolis und Bengasi

 

26. April: Im ukrainischen Tschernobyl explodiert das Kernkraftwerk

 

11./12. Oktober:

Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow in Reykjavik auf Island. Reagan weigert sich, auf die Entwicklung strategischer Raketenabwehrsysteme (SDI) zu verzichten

 

1987

1. Januar:

Inkrafttreten der Bestimmungen aus dem Schlussdokument der ‚Konferenz über vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen‘ in Stockholm. Die Gegner vereinbaren die Ankündigung militärischer Aktivitäten und die Einladung von Militärbeobachtern der Gegenseite

 

16. Januar:

Die USA hebt das Embargo auf den Export von Eröl- und Erdgastechnologie in die UdSSR auf. 1982 hatte die USA Sanktionen gegen Westeuropa wegen des Erdgasgeschäfts mit der UdSSR verhängt

 

26. August:

Bundeskanzler Helmut Kohl will auf die Stationierung der Pershing-Mittelstreckenraketen verzichten, wenn die UdSSR ihre Kurzstreckenraketen aus der CSSR und der DDR abzieht

 

25. März:

Offiziere der Bundeswehr nehmen erstmals an Manövern des Warschauer Paktes in der DDR als Beobachter teil

 

7.-11. September: Der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker besucht die BRD

 

7.-10. Dezember:

Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow in Washington. Unterzeichnung des INF-Vertrags. Er geht auf einen Vorschlag Gorbatschows zurück (21. Juli) und sieht den Abbau sämtlicher Kurz- und Mittelstreckenraketen mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 km und ein Produktionsverbot derartiger Waffen vor

 

9. Dezember:

In den von Isarel besetzten Gebieten bricht ein Volksaufstand der Palästinenser (Intifada) aus

 

1988

25. Februar:

Die UdSSR beginnt den Abzug ihrer Mittelstreckenraketen aus der DDR. Bis 1991 demontieren die USA 846 und die UdSSR 1846 Raketensysteme unter der Aufsicht von Beobachtern der jeweiligen Gegenseite

 

17. März:

Die von iranischen Truppen beherrschte Stadt Halabja wird von der irakischen Regierung mit Giftgas angegriffen. 3.000 bis 5.000 kurdische Einwohner sterben

 

14. April:

Vertreter der Regierung Afghanistans, der UdSSR, USA und Pakistans unterzeichnen in Genf ein Abkommen über die Lösung des Konflikts in Afghanistan. Die UdSSR verspricht darin den vollständigen Abzug ihrer Truppen bis zum 15. Februar 1989

 

3. Juli:

Ein US-Kriegsschiff schießt ein iranisches Passagierflugzeug über dem Persischen Golf ab, 290 Tote

 

20. August:

Waffenstillstand zwischen Irak und Iran; anschließend greifen irakische Truppen die eigene Bevölkerung an; etwa 100.000 Kurden fliehen in die Türkei

 

7. Dezember:

Schweres Erdbeben in Armenien mt 25.000 Toten. Die UdSSR lässt erstmals ausländische Katastrophenhelfer ins Land

 

18. Dezember: Lech Walesa gründet in Polen das ‚Bürgerkomitee‘

 

21. Dezember:

Nach einer Bombenexplosion an Bord stürzt die US-amerikanische Passagiermaschine PanAm 103 über dem schottischen Lockerbie ab, alle 259 Insassen und am Boden elf Bewohner sterben

 

22. Dezember:

Friedensabkommen zwischen Südafrika, Angola und Kuba, der Unabhängigkeitsprozess für Südwestafrika – später: Namibia – beginnt

 

Ploetz 1998; WikiPedia