Kampf um die Straßen

Die wirtschaftliche Wiederaufbau in der Ära von Bundeskanzler Adenauer (1949-1963) wurde geprägt von den liberalen Vorstellungen seines Wirtschaftsministers Ludwig Erhard. Dieser versprach 1957 in seinem Buch ‚Wohlstand für alle‘ mit seinem Konzept einer ’sozialen Marktwirtschaft‘ den Bundesbürgern eine rosige Zukunft.

Nachdem er 1963 Bundeskanzler geworden war, entwickelte er seine Zukunftsvorstellungen weiter und stellte seine Idee der ‚formierten Gesellschaft‘ vor, die ein ‚Deutsches Gemeinschaftswerk‘ in Angriff nehmen sollte. Nach Behebung der wesentlichen Kriegsschäden werde die Gesellschaft im stände- und klassenlosen Konsensstaat ihren ökonomischen und kulturellen Fortschritt intensivieren, dabei aber das Primat der wirtschaftlichen Prosperität beachten. Der allgemeine Wohlstand sollte dem Erhalt und der Förderung der kulturellen Leistungen zugute kommen, nicht aber einem grenzenlosen Konsum dienen. weiterlesen…

Dem sozialen und ökonomischen Anpassungsdruck der ‚formierten‘ westdeutschen Erwerbsgesellschaft widersetzte sich ab Mitte der 1960er Jahre ein kleiner Teil der Jugend durch ihr äußeres Erscheinungsbild und ihren demonstrativen Müßiggang. Die ‚Gammler‘ hörten und spielten britisch-amerikanische Folk- und Pop-Musik, waren „bärtig und schlipslos“, trugen lange Haare und hielten sich vorzugsweise in Parks und auf Plätzen in den Innenstädten auf, wo sie auch übernachteten. Die meisten ‚gammelten‘ nur auf Zeit und lebten von Spenden; sie sahen darin keine Lebensweise auf Dauer.

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Seit Ende der 1950er Jahre bestand ein Gesetzesvorhaben, das Grundgesetz um eine Notstandsverfassung zu ergänzen, um im Fall von Naturkatastrophen, Aufstand und Krieg Bürgerrechte einschränken und die Eingriffsrechte der Regierung erweitern zu können. Mit Zustimmung des Bundestages sollte fortan die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden dürfen.

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Der Widerstand der linksbürgerlichen Öffentlichkeit gegen die Notstandsgesetze wurde im Bundestag nur noch von der FDP (50 von 519 Sitzen) gegen die Abgeordneten der ‚Großen Koalition‘ vertreten. Deshalb formierte sich aus verschiedenen Lagern eine ‚Außerparlamentarische Opposition‘ (APO), die eine Reihe von Kritikpunkten vertrat:

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