Castor, Konrad und Asse

19.04.2017 | Kategorien: Castor, Konrad und Asse
Wendland-Dorf: Die neue Republik erhielt Luftüberwachung vom Bundesgrenzschutz

Gründung

Die 1980er Jahre begannen mit einem Angriff auf die Souveränität der BRD. Am 3. Mai 1980 wurde im Wendland ein kleines Stück Land um das Bohrloch 1004 von Atomkraftgegnern besetzt und zur unabhängigen ‚Republik Freies Wendland‘ erklärt. Ein Schlagbaum wurde aufgestellt, allen Interessenten ein Pass des neuen ‚Staates‘ ausgestellt, ein Rundfunk strahlte Sendungen aus. weiterlesen…

1983 wurde die Lagerhalle zur Aufnahme der Transportbehälter für hochradioaktiven Atommüll (‚Castoren‘) fertiggestellt. In diesem Jahr wurde der erste Castor angeliefert; er war allerdings nicht befüllt. Damit die Halle weiter leer blieb, organisierte der Widerstand im Wendland Demonstrationen, Menschenketten und Blockaden von Straßen und Schienen.

1985 wurde eine hundert Kilometer lange Menschenkette durch das Wendland gebildet
1985 wurde eine hundert Kilometer lange Menschenkette durch das Wendland gebildet

 

Ev. Ztg. 31/1985

Wie bereits 1979 – Harrisburg, USA – kam auch 1986 mit der Explosion des Kernkraftwerkes in Tschernobyl, Ukraine, die internationale Atomwirtschaft den Endlagerplänen von Bundes- und Landesregierung in die Quere.

Im April und Mai wurde dort nuklare Wolken freigesetzt, die weite Teile Weißrusslands, Teile der Ukaine und Russlands verstrahlten. In der Folgezeit erreichten Wolken 40 Prozent der Fläche Europas. Von Skandinavien, Großbritannien, Italien bis zum Balkan und der Türkei fiel radioaktiver Regen nieder.

In der BRD war danach die radioaktive Konzentration im Boden besonders hoch im Bayerischen Wald. Der Bau der dort befindlichen Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf wurde in der Folgezeit eingestellt; sie ging nie in Betrieb. Castor-Transporte nach Gorleben wurden bis auf weiteres ausgesetzt.

Reaktionen auf Tschernobyl
Reaktionen auf Tschernobyl (Foto: HSK 13)

 

Der Schacht ‚Asse‘ bei Wolfenbüttel war ein weiteres früheres Salzbergwerk in Niedersachsen, das zur Einlagerung von Atommüll genutzt wurde. Als ‚Forschungsbergwerk‘ für diesen Zweck wurde es indes schon 1965 ausgewiesen. Atommüll wurde dort seit 1967 eingelagert. Bis 1978 waren bereits rund 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktiven Abfällen eingebracht worden, zudem auch chemische Abfälle wie große Mengen des Pflanzengiftes DDT.

1978 wurde die Einlagerung in der ‚Asse‘ gestoppt, weil dafür atomrechtlich keine Grundlagen vorhanden waren. Der Widerstand der Anwohner begann erst im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen Gorleben.

Eine von der ‚Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen‘ eingesetzte Arbeitsgruppe ‚Endlagerung‘ aus Naturwissenschaftlern stellte in ihrem geologischen Gutachten zur Asse 1986 fest, dass die „Standsicherheit“ des Bergwerks aufgrund seiner vielen Hohlräume „beeinträchtigt“ sei, seine Abdichtung zum Grundwasser noch nicht umfassend geprüft, ein Wassereinbruch deshalb „hypothetisch“ möglich sei.

Plakat Stopp Asseschacht
Plakat Stopp Asseschacht (Bild: HSK 13)

 

Spiegel 38/1981
Jahn 1986, S. 31 f.

Im Unterschied zu Gorleben und Asse war der Schacht ein früheres Eisenerzbergwerk bei Salzgitter, das 1976 stillgelegt wurde. Ab 1975 wurde es in einem Verfahren nach Atomrecht umfänglich auf seine Befähigung zur Endlagerung von Atommüll ohne starke Wärmeentwicklung geprüft.

Kein Atommüll in Schacht Konrad
Kein Atommüll in Schacht Konrad (Bild: HSK 13)

Im Zuge des Widerstands gegen Gorleben und die zivile Nutzung der Kernenergie regte sich auch hier Widerstand.

Jahn 1986