Mörderische Polizisten

Der Artikel 131 des Grundgesetzes versprach eine Regelung der Rechtsverhältnisse der Beamten, die ab 1945 im Zuge der Entnazifizierung entlassen wurden. Denjenigen, welche zuvor nicht als Hauptschuldige oder Belastete eingestuft wurden, wurde mit Bundesgesetz vom 10. April 1951 die Rückkehr in den öffentlichen Dienst ermöglicht, und ihre Pensionsansprüche aus der Dienstzeit i der NS-Zeit anerkannt. Ausgeschlossen davon waren ehemalige Gestapo-Beamte, doch auch diese konnten nun in den Dienst zurückkehren, sofern sie belegten oder auch nur behaupteten, zur Gestapo ‚von Amts wegen‘ versetzt worden zu sein.

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Walter Zirpins, der „Senior der deutschen Wirtschaftskriminalistik“, gehörte seit 1933, als er zur Brandstiftung im Berliner Reichstagsgebäude ermittelte, zu den bekannten Vertretern der deutschen Kriminalpolizei.

Er wurde Lehrer am Polizeiinstitut in Berlin-Charlottenburg und, nach seinem Eintritt in die SS, Stabsführer der Führerschule der Sicherheitspolizei. 1938 wechselte er ins Reichskriminalpolizeiamt. 1940/41 war er der Chef der Kriminalpolizei im Ghetto Lodz.

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‚Charlottenburger‘ wurden die ehemaligen Mitarbeiter des dortigen Polizeiinstituts genannt. Sie verstanden sich als politikferne Experten und strebten eine Spitzenposition in der Kriminalistik Europas an. Sie bildeten die leitenden Beamten der Sicherheitspolizei aus, den Zusammenschluss aus Kriminalpolizei und Gestapo.

In den 1930er Jahren wandelte sich die Funktion der Kriminalistik von der Aufklärung begangener Straftaten zur Vorbeugung von Verbrechen. Die Ursachen der Straffälligkeit wurden in der Biologie gesucht, und für das Verbrechen prädestinierte Bevölkerungsgruppen identifiziert:

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Titel für ein Interview mit dem ersten Leiter der Zentralstelle Ludwigsburg, Staatsanwalt Erwin Schüle
Titel für ein Interview mit dem ersten Leiter der Zentralstelle Ludwigsburg, Staatsanwalt Erwin Schüle

Ab 1958 beschäftigte eine Welle von NS-Prozessen die westdeutschen Landgerichte. In diesem Jahr war die ‚Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen‘ in Ludwigsburg eingerichtet worden. Dies war eine Reaktion auf den ‚Ulmer Einsatzgruppenprozess‘, der erstmals die Dimensionen der Massenerschießungen in Osteuropa und die Beteiligung deutscher Polizeibeamter daran deutlich gemacht hatte.

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Die Durchdringung der bürgerlichen Gesellschaft Westdeutschlands mit früheren Mördern im Staatsauftrag wurde der Öffentlichkeit im Filbert-Verfahren deutlich: Der Hauptangeklagte SS-Obersturmbannführer Alfred Filbert hatte das Einsatzkommando 9 geleitet war dann Leiter der Berliner Filiale einer hannoverschen Bank geworden. Deshalb fand das Verfahren in Berlin-Moabit statt.

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Ein Fall vor dem Landgericht Hannover führte zu jahrzehntelangen internationalen Verwicklungen und in die Welt der Geheimdienste auf mehreren Kontinenten. Der Oberkommissar bei der Fahrdienstbereitschaft der nds. Schutzpolizei Friedrich Pradel und der Berliner Automechaniker Wentritt wurden zu sieben und drei Jahren Zuchthaus verurteilt wegen Beihilfe zum Mord in 3.832 Fällen. Sie hatten die Gaswagen entwickelt, in denen Menschen mit Autoabgasen qualvoll erstickt wurden.

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Bei Kriegsbeginn 1939 trat die deutsche Ordnungspolizei Kräfte in beträchtlichem Umfang an die Wehrmacht ab. Als Ersatz wurden tausende Männer für einen Wehrersatzdienst in ‚Polizei-Reserve-Bataillonen‘ (PRB) geworben. Der Dienst war beliebt, denn zu erwarten standen Objektschutz und ähnlich einfache Aufgaben in Heimatnähe. Die Reservisten erhielten keinen Beamtenstatus. weiterlesen…