Vom Paramilitär zum Militär

Die Bewachung der Grenzen ihrer Besatzungszonen lag anfangs bei den alliierten Truppen, unterstützt durch die deutsche Polizei. Mit Gründung der BRD 1949 wurde wieder ein Zollgrenzdienst eingerichtet.

Durch die Gründung des Bundesgrenzschutzes (BGS) 1951 sollten die Polizeibehörden und dann die Bereitschaftspolizeien der Länder auf längere Sicht von der Aufgabe des Grenzschutzes zur DDR entlastet werden. 1950 bestanden bereits polizeiliche ‚Reservezüge‘ in den Regierungsbezirken Lüneburg, Braunschweig und Hildesheim, welche vornehmlich zum Grenzschutz dienten.

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Trotz seiner paramilitärischen Ausrüstung war schon allein aufgrund seiner Personalstärke klar, dass der Bundesgrenzschutz (BGS) für den Schutz der Ostgrenze gegen militärische Übergriffe ungeeignet war. Ihm wurden deshalb zwei andere Aufgaben zugewiesen: den Schutz der Ostgrenze vor zivilen Störungen aus beiden Himmelsrichtungen, und den Schutz des Staates vor inneren Aufständen (ab 1956).

Nach der Gründung der Bundeswehr und dem Beitritt der BRD zum NATO-Bündnis sollte der BGS einen ‚Puffer‘ bilden zwischen den Truppen des westlichen und des östlichen Verteidigungsbündnisses (Warschauer Pakt), um Konflikte zu verhindern.

Frühe Übungsszenarien des Bundesgrenzschutzes zeigen, dass Übergriffe aus dem Osten durch Banden und Agenten erwartet wurden. Diese sollten innere Unruhen in den Industriestädten auslösen. Die Industriearbeiter galten in diesen Szenarien als leicht im kommunistischen Sinne verführbar und waren deshalb der ’natürliche‘ innere Gegner des Grenzschutzes:

8. September 1952 im Raum Helmstedt / Braunschweig: Unruhen im Ruhrgebiet, im Raum Hannover sowie in Schleswig-Holstein. Um Kiel ist gegen bewaffnete Banden die holsteinsche Bepo eingesetzt. So ist die Lage am Morgen des 8. September 1952. In Hamburg sind bereits zwei Abteilungen gegen Terrorgruppen eingesetzt. Der Seegrenzschutz sichert die Küste. Ein Dorf nach dem anderen wird gesäubert… Sonderwagen greifen ein.

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Das Szenario zu einer Übung, die im August 1953 im Raum Helmstedt-Braunschweig stattfand, lautete: Starke Kräfte des BGS nehmen mehr als 7000 Störer fest, die mit Interzonenzügen aus der DDR kommen, um die Bundestagswahlen ‚in kommunistischem Sinne‘ zu beeinflussen. Es war von Ereignissen im August 1951 inspiriert.

Damals fanden vom 5. bis 19. August in Ost-Berlin die ‚III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten für den Frieden‘ statt. Vor allem Angehörige der westdeutschen FDJ und andere Jugendliche wurden zahlreich erwartet. Im Jahr zuvor hatte der Westberliner Magistrat beim ‚Deutschlandtreffen der Jugend‘ mit einem ‚Kaffee-und-Kuchen-Konzept‘ deeskaliert: Zwar verbot er FDJ-Aufmärsche – ebenso Moskau -, lud aber kleine Gruppen ein und organisierte kostenlose Kino- und Theaterbesuche.

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Die Bundeswehr ist hier eigentlich kein Thema. Ihre Gründungsphase weist aber zurück auf die vorausgehende Phase des Aufbaus paramilitärischer Polizeitruppen der Länder und des Bundes. In ihnen sammelten sich ehemalige Soldaten der Wehrmacht, konnten ihre Kenntnisse auffrischen und weitergeben. Und diese waren es vorzugsweise, welche als erste auf die Anwerbung durch die Bundeswehr reagierten.

Die Bundeswehr litt dagegen deutlich unter der mangelnden geistigen und fachlichen Bildung der früheren Wehrmachtsoffiziere, von denen das Gros von der Hitlerjugend und einem im Krieg eingeebneten Bildungswesen geprägt worden war.

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